6. Entdecken und Identifizieren von Hochbegabungen

Das Orten, Herausfinden und Feststellen („Identifizieren“) von Hochbegabungen ist eine Gesamtheit psychometrischer Handlungen, deren Hautziel darin besteht, das Niveau für ein bestimmtes Begabungsgebiet genau zu erfassen.

Die Psychometrie wird üblicherweise als die Gesamtheit der Methoden und Instrumentarien definiert, die in der Psychologie für das Messen Von Verhaltensweisen und deren Untergliederungen benutzt werden.

Das Festhalten vom Begabungen erfordert die qualifizierte Benutzung von Verfahren durch Spezialisten und die Existenz ordnungsgemäss geeichter psychometrischer Instrumente. Diese müssen als Gegenstand allgemein anerkannter und ausreichender Prüfungen hinsichtlich der Genauigkeit, der Bewertungsmassstäbe und ihrer metrischer Eigenschaften gedient haben.

Die Bedingungen der Ausfertigung, der Anwendung, der Interpretation und der Mitteilung der Ergebnisse beinhalten eine wissenschaftliche, psychologische und soziopsychologische Fertigkeit, die sich nicht einfach improvisieren lässt.

Diese Instrumente der Feststellung der Eignung sind bereits angepasst worden – oder müssen jeder Entwicklungsstufe jedes Lebensalters angepasst werden: dem jungen wie dem halberwachsenen Kind (vom Baby zum Heranwachsenden) oder dem jungen Erwachsenen. Es ist der Bereich der intellektuellen Hochbegabung, oft eingeschränkt im Bereich der reinen Erkenntnis, in dem die Verfahren zur Zeit am reichhaltigsten sind. Es ist wesentlich, die bestehenden Verfahren zu benutzen und andere, die andere Regionen des Gedankensystems betreffen, neu zu entwickeln.

Man sollte nicht verbergen, dass diese Entwicklung auf allen Niveaus zukünftig für die Arbeitsteilung in den riesigen technowissenschaftlichen und sozioökonomischen Bereichs äusserst wesentlich ist. Heute wird – oft mit den Mitteln von gestern – die soziokulturelle Funktion von Erst- und Fortbildung nur ungenügend gewährleistet.

Unter den anerkannten Gebieten der Hochbegabung sind insbesondere (teils ungleich erforschte) Hochbegabungen enthalten, die oft ganz getrennt analysiert wurden, wo sie doch global oder zum Teil untereinander und korreliert werden können, und wo es so wichtig ist, dass sie untereinander optimal artikuliert und in Beziehung gebracht werden. Es ist selbstverständlich, dass das Erkennen von  Eignungen und ihre Identifikation sich nicht nur auf ein Gebiet beschränken darf und dass sie keines der folgenden Gebiete außer Acht lassen darf:

* Den empirischen oder abstrakten Erkenntnisbereich,
* Die mündlichen oder mathematischen Fähigkeiten,
* Die Begabung zur gesteuerten Lerngeschwindigkeit
* Die Begabung zu Erfindungsgeist oder zur Entdeckung,
* Die künstlerische Begabung (literarische, musikalische, formschöpferische),
* Die Begabung zu gesellschaftlichen Verbindungen ( organisatorisch, didaktisch, abwägend, kämpferisch),
* Die motorische Begabung (manuell, sportlich),
* Fähigkeit zur Selbstregulierung (diese ist eine der wichtigsten).

Diese rein beschreibende Aufzählung ist zwar einfach und sehr offen. Doch die Schwierigkeit beruht darin, eine echte metrische Analyse zu erstellen, auch wenn diese aus den korrelatorischen metrischen Analysen Nutzen ziehen kann, die seit fast einem Jahrhundert in einigen Ländern in einem schon fast industriellen Ausmass  praktiziert werden.

Was die Kreativität betrifft, die oft und gerne fluktuierend zwischen den künstlerischen Bereichen und der Problemlösung situiert wird, wo jedoch die Positionierung neuer Probleme so wichtig ist, wird oft die Tatsache verkannt, dass die erfinderische, das heisst auch erneuernde, Dimension sich auf alle Gebiete der Kultur und der Aktivitäten ausdehnt. Sie umfasst alle wissenschaftlichen, sportlichen oder sozialen Bereiche. Sie ist keiner Spezialisierung, ob schulischer Art oder nicht, unterworfen.

Der Übergang zur theoretischen Synthese – ohne das Aufgeben der Psychometrie, aber auch ohne eine stillschweigende Begrenzung auf diese, weil sie nun einmal verfügbar ist – ist einer der wichtigsten aktuellen Arbeits- und Forschungsgebiete. Keine noch so bewegliche Improvisierung kann die Vertiefung in die Arbeit dieser  Synthese und deren Folgen (bei deren Ausbleiben) überflüssig machen –  für die Fachleute wie die betroffenen Kinder. Dies ist eine grosse Aufgabe mit  schwerwiegenden Folgen für die heutigen Generationen.

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